Wird’s nie wieder schwach?

Die Trump-Rally hat den amerikanischen Aktienmarkt und die Weltmärkte auf Höchststände gebracht, die in der Geschichte nur einmal übertroffen wurden. Wie lange geht es so weiter?

Gemessen am zyklisch bereinigten KGV nach Robert Shiller ist die aktuelle Bewertung des amerikanischen Marktes so hoch wie 1929 und wurde nur von 1997 bis zum Jahr 2000 übertroffen. Die extreme Geldpolitik der Notenbanken, welche die Anleger in risikoreiche Investments zwingt, liefert eine allgemeine Erklärung dafür. Aus ihr ließe sich der alte Schlachtruf des Aktienvertriebs ableiten: „es wird nie wieder schwach“.

Die Trump-Rally kam zusätzlich unter ganz besonderen Bedingungen zustande, nämlich dem Versprechen von Steuersenkungen und Deregulierung durch Trump einerseits und dem Durchmarsch der Republikaner beim Präsidentenamt, im Abgeordnetenhaus und im Senat andererseits. Was kann da noch schiefgehen? Nicht nur die Aktienmärkte, auch wichtige Indikatoren wie die Konsumentenstimmung schossen in die Höhe. Wie die folgenden Überlegungen zeigen, ist jedoch noch längst nicht ausgemacht, dass die Trump-Rally auf Dauer so weiter läuft.

Das Scheitern der Republikaner bei der Reform von Obamacare hat aller Welt vor Augen geführt, dass die Umsetzung ihres Programms keineswegs garantiert ist. Die Partei ist in verschiedene Lager gespalten, von denen eines auch strikt gegen eine Ausweitung der Schulden ist. Somit sollte die Trump-Steuerreform neben einer Senkung der Tarife auch zusätzliche Einnahmequellen bringen, etwa durch den Wegfall der Absetzbarkeit von Schuldzinsen oder durch Steuern auf Einfuhren. Der Umsetzung der Steuerreform stehen also massive Hürden entgegen. Zwei Jahre hat die letzte große Steuerreform in den USA, nämlich die unter Reagan gebraucht, bis sie verabschiedet war. Trump und sein Finanzminister Mnuchin nähren große Erwartungen, dass es diesmal schneller gehen wird. Die misslungene Reform von Obamacare ist geeignet, diese Erwartungen zu untergraben. Sollten sie enttäuscht werden, so würde der Trump-Aktienrally die Basis entzogen und ein Rückschlag am Markt wahrscheinlicher.

Während die obigen Überlegungen auf der Logik der Trump-Rally aufbauen, kann man die Frage der Fortdauer dieser Rally auch mit Marktdaten direkt analysieren. Aktienrallys brauchen zyklische Sektoren, die sie tragen. Erlahmen die Zykliker, so endet die Rally oder kehrt sich um. Eine Abgrenzung der Zykliker nach Roh- und Grundstoffen, Banken und Technologie liefert folgendes Bild: Der Bloomberg Weltaktienindex für Roh- und Grundstoffe hat im Februar seinen Höchststand überschritten. Preise für zugrundeliegende Metalle wie Stahl fallen. Der amerikanische Bankenindex hat im Verlauf des März um 10 Prozent korrigiert. Bei Technologiewerten dagegen ist der Aufwärtstrend ungebrochen, insbesondere die Halbleiter, erreichen täglich neue Höchststände. Diese gilt es besonders zu beobachten. Sollte dieser Trend kippen oder die übrigen Zykliker noch schwächer werden, so könnte es am Aktienmarkt insgesamt wieder schwach werden.

 

Über Dr. Walter Naggl

Der studierte Volkswirt promovierte im Jahr 1980 zum Thema „Konjunkturmodell auf der Basis von Ifo-Daten“. Im Jahr 1991 folgte die Habilitation zum Thema „Effizienz des Devisenmarktes“. Bis zum Jahr 2000 hielt Dr. Naggl Vorlesungen an der Universität München zu den Themen Ökonometrie, Konjunktur, Zinsen und Wechselkurse. Auf Grundlage seiner Absolute Return-Strategie erreichte der Fondsmanager in den vergangenen zehn Jahren für institutionelle Kunden, insbesondere Versicherer, einen überdurchschnittlichen Wertzuwachs. Nach dem identischen Ansatz wird der Publikumsfonds PTAM Absolute Return gemanagt.

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