Die Aussichten bleiben gut

Obwohl die Bewertungen an den Aktien- und Anleihemärkten mittlerweile recht anspruchsvoll sind, bewegen sich die Preise noch immer im Rahmen eines realistischen Szenarios. Ausschlaggebend dafür ist der aktuelle Verlauf der Zinsstrukturkurve: Langfristig bleiben die Zinsen gedämpft und am kurzen Ende deutet vorerst nichts auf ein Ende der Niedrigzinspolitik hin. Auch wenn aus den USA zuletzt Signale in dieser Richtung zu vernehmen waren, ist es eher unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank ihren Leitzins in nächster Zeit deutlich erhöht. Frühestens im Dezember 2017, wahrscheinlich aber erst im März 2018 dürfte es so weit sein. In der Eurozone bleibt die Kreditnachfrage der privaten Haushalte und der Unternehmen weiterhin schwach, was einen Anstieg der kurzfristigen Zinsen verhindert. Die geringen Inflationserwartungen setzen wiederum dem Steigerungspotential für die langfristigen Zinsen enge Grenzen.

 

Weltwirtschaft in robuster Verfassung

Blickt man auf die Weltwirtschaft, fällt vor allem auf, dass derzeit jeglicher Preisdruck fehlt. Der Ölpreis ist stabil, die Rohstoffpreise geben sogar leicht nach, und der US-Dollar ist relativ schwach. Insgesamt bewegt sich das globale Wirtschaftswachstum zwar am unteren Ende des Prognosespektrums. Die Konjunkturaussichten sind jedoch so robust, dass die Unternehmen auch weiterhin mit positiven Ergebnissen rechnen können. Die Kombination aus geringen Zinsen, steigenden Unternehmensgewinnen in Europa und den USA und historisch niedriger Volatilitätserwartungen sprechen für eine Fortsetzung des Hochs an den Aktienmärkten. Hinzu kommt, dass die Industrieproduktion in China auf einem stabilen Wachstumspfad zurück gefunden hat und auch Indien auf dem Sprung zu höherem Wachstum ist.

Zwar sehen Pessimisten das globale Wirtschaftswachstum wie immer bedroht durch geopolitische Gefahren die an jeder Ecke lauern. Doch während die düsteren Szenarien von Handelskriegen und militärischen Konflikten mit dem steten Strom der Nachrichten kommen und gehen, scheint es so, als ob allein das skurrile Auftreten des amerikanischen Präsidenten ein ernst zu nehmender Störfaktor bleibt. Die Mischung aus Unvermögen und Pech die Trump seit seinem Amtsantritt begleitet, hat den Glauben, dass seine Regierung in der Lage ist, Investitionen in die Infrastruktur anzukurbeln oder die Steuern zu senken geschwächt. Dementsprechend müssen die Prognosen zum Wachstum der US-Wirtschaft nach unten korrigiert werden.

Solch eine Korrektur der Wachstumserwartungen war nach der kräftigen Erholung des vergangenen Jahres überfällig, zumal jetzt auch der Dienstleistungssektor an Schwung zu verlieren scheint. Mehr als 2 Prozent Wachstum dürften am Ende des Jahres für die US-Wirtschaft deshalb nicht herauskommen. Um ihr Gewinnwachstum aufrecht zu erhalten, streben die amerikanischen Unternehmen weitere Kosteneinsparungen und eine höhere Produktivität an. Dies erklärt auch das Paradox, weshalb die Arbeitslöhne in der US-Wirtschaft seltsamerweise nur sehr langsam ansteigen, obwohl die Arbeitslosenquote nahezu auf einem Rekordtief liegt. Um auf dem Weltmarkt zu bestehen, müssen die US-Unternehmen ihre Effizienz erhöhen. Sie investieren deshalb mit großer Entschlossenheit in die Automatisierung. Damit verdüstern sich die Aussichten auf steigende Arbeitslöhne in den USA.

 

Wohin steuert der Dollar?

Unterschiedliche Erwartungen in Bezug auf das wirtschaftliche Wachstum in den USA und in Europa sowie die endgültige Niederlage von Donald Trump im US-Senat beim Versuch, die Gesundheitsreform seines Vorgängers Obama abzuschaffen, haben den Dollarkurs in den vergangenen Wochen auf Talfahrt geschickt. Die momentane Schwäche des Dollar gegenüber dem Euro ist zwar eine Überreaktion, doch sie verschafft der amerikanischen Wirtschaft zumindest vorübergehend einen Wettbewerbsvorteil. In diesem Zusammenhang sollte man nicht vergessen, dass Wechselkursschwankungen langfristig betrachtet fast vollständig auf finanzwirtschaftliche Vorgänge und nicht auf die Realwirtschaft zurück zu führen sind. Deshalb entscheiden Differenzen bei den langfristigen realen Zinssätzen letzten Endes über die Entwicklung der Wechselkurse. Da das stärkere Wachstum in der Eurozone dort nicht zu einem Anstieg der langfristigen Zinsen führen wird, wird das Wechselkursverhältnis zum US-Dollar davon auch nicht berührt. Stattdessen ist zu erwarten, dass das Eurokurs nach und nach auf sein langfristiges Gleichgewicht von etwa 1,15 US-Dollar je Euro einschwenken wird.

 

EZB ist weiter gefordert

Obwohl vor fünf Jahren so mancher Kommentator bereits das Todesurteil über die Eurozone gefällt hatte, liegt die Währungsgemeinschaft beim Wirtschaftswachstum heute vor den USA. Und im Rückblick muss man festhalten, dass die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank entscheidend zur Erholung der Eurozone nach der Finanzkrise beigetragen haben. Dennoch besteht kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Die Inflationsrate ist noch immer (weit) entfernt von ihrem Ziel, während das Kreditwachstum trotz erheblicher Liquiditätszuflüsse in die Wirtschaft des alten Kontinents hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die EZB ist deshalb gezwungen, ihre Geldpolitik fortzusetzen, die kurzfristigen Zinsen im negativen Bereich zu halten und zu verhindern, dass die langfristigen Zinsen in der Eurozone steigen.

 

Strategischer Ausblick

Auch wenn die Volatilität auf kurze Sicht höher sein dürfte, halten wir an einer Übergewichtung von Aktien im PTAM Global Allocation UI fest. Zuversichtlich sind wir insbesondere für Unternehmenswerte aus dem Euroland, die nordischen Länder und Indien. Japan und China gewichten wir neutral. Andere Schwellenländer bleiben untergewichtet, während wir Aktien aus den USA leicht vernachlässigen.

 

 

Über Prof. Dr. Stefan Duchateau

Prof. Duchateau blickt auf bereits über 25 Jahre Erfahrung im Portfolio-Management zurück. Neben seinen Professuren an der KU Leuven, HU Brussel und Uni Hasselt in den Bereichen Risiko-Management, Financial Engineering und Portfolio Management, entwickelte und konzipierte er den Kapitalsicherungsfonds (capital protected funds). Prof. Duchateau ist Anlageberater des Global Allocation UI und erstellt eigene makroökonomische Analysen, Asset Allocation Modelle, Risikomanagement-Tools und spezielle Auswahlverfahren für geeignete Anlageklassen.

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