Deutschlands Zukunft liegt im Euro

Dass der Euro ausgerechnet in Deutschland so wenig Unterstützer hat, ist nur schwer zu verstehen. Die Gemeinschaftswährung beschert dem Land nämlich mehr Vorteile als Nachteile.

Gegner des Euro fordern die Wiedereinführung der nationalen Währungen. Dann, so ihr Argument, könnten strukturschwache Länder wie etwa Griechenland, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit durch die Abwertung der heimischen Währung erhöhen. Was auf den ersten Blick als vernünftige Idee erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch als fataler Trugschluss. Erinnern wir uns kurz zurück an die Zeiten, als es den Euro noch nicht gab. Damals werteten die Länder Europas ihre nationalen Währungen regelmäßig ab, um sich Vorteile im Preiswettbewerb zu verschaffen. Die kurzfristigen Gewinne, die damit erkauft wurden, kamen Europa jedoch insgesamt teuer zu stehen. Denn die Abwertungsspirale führte nicht nur zu höherer Inflation und steigenden Zinsen. Sie zog auch Länder mit einer ausgeprägten Haushaltsdisziplin und einer stabilen Währungspolitik mit nach unten. So liefen die Anstrengungen der deutschen Industrie, die alles daran setzte ihre Kosteneffizienz zu steigern, regelmäßig ins Leere sobald Italien oder Spanien die Preise ihrer Industriegüter über den Wechselkurs anpassten. Während China, Japan und die USA zur gleichen Zeit in ihre heimischen Industrien investierten, verschlechterte sich die Position europäischer Unternehmen zusehends. Der Abwertungswettlauf kannte nur Verlierer: Hohe Arbeitslosigkeit, hartnäckige Inflation und ein investitionsfeindliches Zinsniveau in Europa waren die Folgen.

In der Eurozone steht der Wechselkurs als Waffe heute nicht mehr zur Verfügung. Um konkurrenzfähig zu bleiben, sind die Mitgliedsstaaten jetzt gezwungen, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft zu erhöhen und hochwertige Produkte zu günstigen Kosten anzubieten. Dieser Prozess hält die Inflationsrisiken in Schach, schützt den gemeinsamen Markt vor Angreifern und verschafft Europa eine günstige Ausgangsposition im weltweiten Wettbewerb um Marktanteile mit den USA, China und Japan.

Am meisten profitiert davon  Deutschland. Dank einer ausgeprägten Kosteneffizienz und der bemerkenswerten Qualität ihrer Produkte, sind deutsche Unternehmen heute auf vielen Gebieten Marktführer in der Welt. Die extrem niedrigen Zinsen und der relativ schwache Außenwert des Euros schaffen zudem ein Umfeld, in dem Deutschland seine Effizienzvorteile voll ausspielen kann. Der enorme Leistungsbilanzüberschuss gegenüber anderen Ländern Europas spricht Bände.

Die Deutschen verfügen über eine der leistungsstärksten Industrien der Welt. Doch sie sollten ebenfalls anerkennen, dass ihnen die Eurozone großen Rückhalt verschafft. Wie alles Gute im Leben, hat auch dies seinen Preis. Die Europäische Zentralbank ist gezwungen, das Fundament der Währungsunion durch unkonventionelle Maßnahmen zu stützen. Doch niemand sollte die expansive Geldpolitik unserer Tage mit einem übermäßig generösen Verhalten gegenüber den strukturell schwächeren Ländern gleich setzen. Die EZB will mit allen Mitteln die Vergabe von Investitionskrediten ankurbeln um damit die Wirtschaft zu beleben. Und wenn es sein muss, dann senkt sie den erwarteten Ertrag auf risikolose Zinspapiere gegen Null. Die Banken sollen damit aus dem Geschäft mit Anleihen gedrängt werden und stattdessen wieder stärker in die Kreditvergabe einsteigen. Dass die Nullzinspolitik auf Abneigung stößt ist psychologisch nachvollziehbar. Schließlich begegnen Menschen Veränderungen in ihrer Lebensumwelt  mehrheitlich mit Ablehnung. Doch ökonomisch ist dieses Verhalten unbegründet. Die Vorteile, die Deutschland aus der gemeinsamen Währung zieht, sind einfach viel zu groß, als dass man den Euro aufgeben könnte.

Über Prof. Dr. Stefan Duchateau

Prof. Duchateau blickt auf bereits über 25 Jahre Erfahrung im Portfolio-Management zurück. Neben seinen Professuren an der KU Leuven, HU Brussel und Uni Hasselt in den Bereichen Risiko-Management, Financial Engineering und Portfolio Management, entwickelte und konzipierte er den Kapitalsicherungsfonds (capital protected funds). Prof. Duchateau ist Anlageberater des Global Allocation UI und erstellt eigene makroökonomische Analysen, Asset Allocation Modelle, Risikomanagement-Tools und spezielle Auswahlverfahren für geeignete Anlageklassen.

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