DAX-Rekord war überfällig

Der Höhenflug des DAX kommt nicht überraschend. Tatsächlich war der Sprung über die Marke von 13.000 Punkten längst überfällig. Die Erträge deutscher Unternehmen liegen schon seit längerer Zeit über den Erträgen von US-Firmen. Das gilt selbst dann, wenn man die Gewinne amerikanischer Unternehmen um Wechselkurseffekte korrigiert. Hinzu kommt das deutlich niedrigere langfristige Zinsniveau in Deutschland. Endlich folgt auch der DAX dem Aufwärtstrend an den globalen Aktienmärkten. Bleibt eigentlich nur die Frage, warum hat es so lange gedauert?

Zwar ist die Volatilität im DAX etwas höher also etwa im S&P 500. Der deutsche Leitindex wird von Industrieunternehmen dominiert. Diese sind anfälliger für Konjunkturschwankungen als die großen Dienstleistungsunternehmen, die in den Aktienindizes der Vereingten Staaten eine weitaus wichtigere Rolle spielen.

Doch das leicht höhere Volatilitätsrisiko kann kaum die Erklärung dafür sein, warum die DAX-Werte lange Zeit schwächer abgeschnitten haben als US-Aktien. Selbst im Vergleich mit Ländern aus der Eurozone fällt die relativ schwache Bewertung des deutschen Aktienmarktes auf. So ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis deutscher Aktien niedriger als das KGV spanischer oder italienischer Aktien. Und das obwohl Unternehmen aus diesen Ländern ein weitaus geringeres Gewinnwachstum aufweisen als deutsche Unternehmen. Die Mitgliedschaft in der Eurozone ist also definitiv nicht schuld daran, dass deutsche Aktien trotz besserer Unternehmensergebnisse und niedriger Zinsen schlechter bewertet werden als amerikanische Aktien.

Die wahren Gründe liegen woanders: Die relativ niedrige Bewertung des deutschen Marktes hat viel mit der mangelnden Aktienkultur hierzulande zu tun. Die Deutschen trauen der Aktie nicht über den Weg. Im internationalen Vergleich, nehmen deutsche Investoren nur in geringem Maße am eigenen Aktienmarkt teil. Dieses Verhalten deutet auf einen Mangel an Vertrauen in die langfristige Stabilität der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, was wiederum zu einem Misstrauen in die Bewertung der Unternehmen führt, so wie sie sich in den Aktienkursen spiegelt.

Es bleibt den deutschen Anlegern und Investoren zu wünschen, dass sie das Potential ihrer eigenen Industriewerte erkennen und sich stärker am heimischen Aktienmarkt engagieren. Die niedrigen Durchschnittspreise für deutsche Aktien, immerhin auf dem gleichen Niveau von Spanien und Italien, sind auf jeden Fall ein klares Kaufsignal.

 

Über Prof. Dr. Stefan Duchateau

Prof. Duchateau blickt auf bereits über 25 Jahre Erfahrung im Portfolio-Management zurück. Neben seinen Professuren an der KU Leuven, HU Brussel und Uni Hasselt in den Bereichen Risiko-Management, Financial Engineering und Portfolio Management, entwickelte und konzipierte er den Kapitalsicherungsfonds (capital protected funds). Prof. Duchateau ist Anlageberater des Global Allocation UI und erstellt eigene makroökonomische Analysen, Asset Allocation Modelle, Risikomanagement-Tools und spezielle Auswahlverfahren für geeignete Anlageklassen.

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