Die Deutschen sparen falsch

Die Aktienmärkte kennen seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Auch der DAX ist auf Rekordkurs und erreichte zum ersten Mal in seiner Geschichte die Marke von 13.000 Punkten. Doch der Börsenaufschwung geht hierzulande an vielen Sparern vorbei. Die Deutschen sind konservative, wenn nicht gar ängstliche Anleger. Trotz Nullzinsen lagern sie ihr Geld auf Sparbüchern, Bankeinlagen oder Tagesgeldkonten. Gerade einmal knapp neun Millionen Bundesbürger besitzen Aktien oder Anteile an Aktienfonds, das sind nur 14 Prozent der Bevölkerung.

Eine Folge davon: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland, etwa beim Netto-Geldvermögen pro Kopf, nur auf Platz 18, noch hinter Italien, Frankreich und Österreich. Das ist eines der Ergebnisse des „Global Wealth Report 2017“ der Allianz. Während andere Nationen, allen voran die Amerikaner, ihr Geld am Aktienmarkt investieren und dort für sich arbeiten lassen, erhöhen die Deutschen lieber ihre Sparanstrengungen, anstatt in rentierlichere Anlageklassen zu wechseln. So trugen Wertveränderungen im Bestand in Deutschland im Jahr 2016 nur zu rund einem Viertel zum Vermögenswachstum bei. Der größere Teil des Vermögensplus stammt aus frischen Spargeldern. In Nordamerika war es dagegen genau umgekehrt. Dort gingen rund drei Viertel des Vermögenswachstums auf Wertveränderungen im Bestand, etwa durch Kursgewinne, und nur ein Viertel auf originäre Sparleistungen zurück.

 

Rendite wird verschenkt

Deutschland ist – neben Österreich – das einzige Land der Eurozone, in dem Sparleistungen aus dem Arbeitseinkommen zum Vermögensaufbau beitrugen. So haben die deutschen Sparer seit 2012 etwa 310 Mrd. Euro oder knapp EUR 4.000 pro Kopf ihrer Arbeitseinkommen statt in den Konsum in ihren Vermögensaufbau geleitet. Nur durch diese Extra-Anstrengungen sind sie bisher weitgehend ohne Verluste durch die Niedrigzinsphase gekommen. Hätten die deutschen Haushalte in den vergangenen fünf Jahren nicht etwa 40 Prozent ihres Geldvermögens mit Verlust bei den Banken geparkt – die reale Rendite dieser Anlagen betrug im Durchschnitt dieser Jahre -0,3 Prozent – sondern „nur“ 30 Prozent und die so frei gewordenen Mittel in Aktien oder Aktienfonds investiert, hätten sie zusätzliche Vermögenseinnahmen von etwa 290 Mrd. Euro verbuchen können. Diese Berechnungen der Allianz belegen eindrucksvoll, dass die Deutschen für ihre schwach entwickelte Aktienkultur einen hohen Preis bezahlen.

 

Sicherheit bei der Geldanlage neu denken

Die Sicherheit liquider aber extrem gering verzinster Geldanlagen ist trügerisch. Denn sie gilt nur in der kurzfristigen Perspektive. Langfristig gehen Sparer, die das kurzfristige Risiko scheuen, das weitaus größere Risiko eines schleichenden Wertverlustes ihrer Vermögensanlagen ein. Gerade konservative Anleger müssen ihren Begriff von Sicherheit deshalb neu definieren. In einem Umfeld niedriger Zinsen – und vieles spricht dafür, dass dies noch lange Zeit so bleibt – sind vermögensverwaltende Fonds für diese Zielgruppe das richtige Investment. Im Unterschied zu reinen Aktienfonds nutzen vermögensverwaltende Fonds ein viel breiteres Spektrum an Anlageklassen. Neben Aktien und Rentenpapieren werden auch alternative Investments wie Rohstoffe und Währungen sowie Absicherungsinstrumente wie Optionen und Futures eingesetzt. Dieser größere Spielraum verleiht vermögensverwaltenden Fonds mehr Flexibilität und macht sie weniger abhängig von der allgemeinen Marktentwicklung. Da vermögensverwaltende Fonds anders als etwa ein klassischer Aktienfonds, nicht an Benchmarks gebunden sind, zählt nur das absolute Ergebnis. Oberstes Ziel ist, wenn möglich, stets eine absolut positive Wertentwicklung zu erzielen. Die PT Asset Management bietet ihren Kunden fünf erstklassige und nachweislich erfolgreiche vermögensverwaltende Investmentfonds, die sich durch Ihre individuellen und klar abgegrenzten Anlagestrategien auch hervorragend miteinander kombinieren lassen.

DAX-Rekord war überfällig

Der Höhenflug des DAX kommt nicht überraschend. Tatsächlich war der Sprung über die Marke von 13.000 Punkten längst überfällig. Die Erträge deutscher Unternehmen liegen schon seit längerer Zeit über den Erträgen von US-Firmen. Das gilt selbst dann, wenn man die Gewinne amerikanischer Unternehmen um Wechselkurseffekte korrigiert. Hinzu kommt das deutlich niedrigere langfristige Zinsniveau in Deutschland. Endlich folgt auch der DAX dem Aufwärtstrend an den globalen Aktienmärkten. Bleibt eigentlich nur die Frage, warum hat es so lange gedauert?

Zwar ist die Volatilität im DAX etwas höher also etwa im S&P 500. Der deutsche Leitindex wird von Industrieunternehmen dominiert. Diese sind anfälliger für Konjunkturschwankungen als die großen Dienstleistungsunternehmen, die in den Aktienindizes der Vereingten Staaten eine weitaus wichtigere Rolle spielen.

Doch das leicht höhere Volatilitätsrisiko kann kaum die Erklärung dafür sein, warum die DAX-Werte lange Zeit schwächer abgeschnitten haben als US-Aktien. Selbst im Vergleich mit Ländern aus der Eurozone fällt die relativ schwache Bewertung des deutschen Aktienmarktes auf. So ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis deutscher Aktien niedriger als das KGV spanischer oder italienischer Aktien. Und das obwohl Unternehmen aus diesen Ländern ein weitaus geringeres Gewinnwachstum aufweisen als deutsche Unternehmen. Die Mitgliedschaft in der Eurozone ist also definitiv nicht schuld daran, dass deutsche Aktien trotz besserer Unternehmensergebnisse und niedriger Zinsen schlechter bewertet werden als amerikanische Aktien.

Die wahren Gründe liegen woanders: Die relativ niedrige Bewertung des deutschen Marktes hat viel mit der mangelnden Aktienkultur hierzulande zu tun. Die Deutschen trauen der Aktie nicht über den Weg. Im internationalen Vergleich, nehmen deutsche Investoren nur in geringem Maße am eigenen Aktienmarkt teil. Dieses Verhalten deutet auf einen Mangel an Vertrauen in die langfristige Stabilität der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, was wiederum zu einem Misstrauen in die Bewertung der Unternehmen führt, so wie sie sich in den Aktienkursen spiegelt.

Es bleibt den deutschen Anlegern und Investoren zu wünschen, dass sie das Potential ihrer eigenen Industriewerte erkennen und sich stärker am heimischen Aktienmarkt engagieren. Die niedrigen Durchschnittspreise für deutsche Aktien, immerhin auf dem gleichen Niveau von Spanien und Italien, sind auf jeden Fall ein klares Kaufsignal.

 

Über Prof. Dr. Stefan Duchateau

Prof. Duchateau blickt auf bereits über 25 Jahre Erfahrung im Portfolio-Management zurück. Neben seinen Professuren an der KU Leuven, HU Brussel und Uni Hasselt in den Bereichen Risiko-Management, Financial Engineering und Portfolio Management, entwickelte und konzipierte er den Kapitalsicherungsfonds (capital protected funds). Prof. Duchateau ist Anlageberater des Global Allocation UI und erstellt eigene makroökonomische Analysen, Asset Allocation Modelle, Risikomanagement-Tools und spezielle Auswahlverfahren für geeignete Anlageklassen.

Der Koloss auf tönernen Füßen

Die Reformen in China im ausgehenden 20. Jahrhundert haben das Land was Wirtschaftswachstum und schiere Größe angeht an die Weltspitze katapultiert. Zwar nimmt das Land mit einem BIP von umgerechnet 11.200 Mrd. USD im Jahr 2016 nach den USA noch den zweiten Rang ein. Unter Berücksichtigung der nahezu doppelt so hohen Kaufkraft des Yuan gegenüber dem US-Dollar rückt China schon an die Weltspitze bei der Wirtschafts-leistung. Eindrückliche Vergleiche veranschaulichen diese Spitzenstellung. So produziert und verbraucht das Land nahezu so viel Kohle und Stahl wie der Rest der Welt zusammen und übertrifft den Rest der Welt noch etwa bei Aluminium und Zement.

Die Krönung der Superlative findet sich im Finanzsektor des Reichs der Mitte. Die Hälfte der weltweiten Neuverschuldung seit der Finanzkrise entfällt auf China. In absoluten Zahlen gemessen hat sich die private und öffentliche Verschuldung zusammen genommen  zwischen 2007 und 2015 von gut 6.000 Mrd. auf 25.000 Mrd. USD vervierfacht. Die atemberaubende Neuverschuldung und die hohe Gesamtverschuldung sind das Ergebnis einer Politik der Konjunkturstimulierung primär durch den Kredithahn. Seit der Finanzkrise schwappen Kredite im immer neuen Wellen über das Land. Zunächst wurden die staatseigenen Großunternehmen durch die Staatsbanken mit dem Geldsegen versorgt. Danach expandierte der übrige Bankensektor durch Ausgabe hoch verzinslicher Papiere ähnlich den amerikanischen Kreditverbriefungen vor der Finanzkrise. Der heftige Anstieg der Immobilienpreise im letzten Jahr war von einem ebenso massiven Wachstum der Hypotheken begleitet.

Eine hohe Ersparnisbildung im Inneren des Landes sowie eine noch mäßige Staatsverschuldung von 60 Prozent des BIP geben die Möglichkeiten einer krisenhaften Entwicklung gegenzusteuern. Aber es ist auch klar, dass die Verschuldung und damit die Konjunkturstimulierung nicht in diesem Tempo weitergehen kann. Die chinesische Führung hat die Risiken erkannt und teilweise Gegenmaßnahmen ergriffen. Während die Vergabe von Hypotheken Ende letzten Jahres noch mit einer Rate von 35 Prozent gewachsen war, ist es hier zum Stillstand gekommen. Freilich ist der Ausstieg aus der zügellosen Verschuldung ein schwieriger Balanceakt. Nicht nur die Hypothekenvergabe stagniert seit dem Herbst diesen Jahres, auch der Verkauf von Wohnimmobilen wächst nicht mehr. Im September ergab sich ein leichtes Minus gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat.

Sehr aufschlussreich sind Kennzahlen, die gerade zusammen mit den chinesischen BIP-Daten für das dritte Quartal veröffentlicht wurden. Die gesamte Bautätigkeit brachte es im dritten Quartal auf ein Vorjahreswachstum von 4 Prozent, während nicht näher definierte Dienstleistungen im Technologiesektor mit einer Rate von fast 30 Prozent wuchsen. Dies deckt sich zum Beispiel mit starken deutschen Daten zum Auftragseingang im August. Deren Stärke war ganz wesentlich das Ergebnis der Nachfrage nach Technologiegütern aus dem Nicht-EU-Ausland. Weltweit schwächelt die Nachfrage bei den alten Industrien Bau oder Kfz, in den USA fällt sie aktuell, während der Technologiesektor boomt. Sollte die Schwäche bei den alten Industrien wie im Jahr 2015 auf den Technologiesektor überspringen, so hätte das weltweit Folgen für die Aktien- und Anleihenmärkte.

Über Dr. Walter Naggl

Der studierte Volkswirt promovierte im Jahr 1980 zum Thema „Konjunkturmodell auf der Basis von Ifo-Daten“. Im Jahr 1991 folgte die Habilitation zum Thema „Effizienz des Devisenmarktes“. Bis zum Jahr 2000 hielt Dr. Naggl Vorlesungen an der Universität München zu den Themen Ökonometrie, Konjunktur, Zinsen und Wechselkurse. Auf Grundlage seiner Absolute Return-Strategie erreichte der Fondsmanager in den vergangenen zehn Jahren für institutionelle Kunden, insbesondere Versicherer, einen überdurchschnittlichen Wertzuwachs. Nach dem identischen Ansatz wird der Publikumsfonds PTAM Absolute Return gemanagt.