„Besessenheit von Goldanlegern verstehe ich nicht“

Lesen Sie hier das Interview mit Dr. Stefan Duchateau, das am 03.02.2017 bei Fonds professionell online erschienen ist

Fondsprofi

Das Investment: 22 Fragen an Stefan Duchateau

Der Fragebogen als Gesellschaftsspiel – wenn Tageszeitungen oder Hochglanzmagazine Prominente zum teils heitern, teils heiklen Kreuzverhör bitten, kommen Fondsmanager nur höchst selten zu Wort. DER FONDS ändert das. Dieses Mal: Stefan Duchateau, Berater des PTAM Global Alocation UI

„Fußball oder Rockmusik? Lieber Radfahren und Jazz…“

Don’t believe the hype

Der altehrwürdige Dow Jones Industrial Average gilt als Leitindex für den US-Aktienmarkt. Vor kurzem erst hat er die Rekordmarke von 20 000 Punkten geknackt. Doch allzu große Aufregung ist deshalb nicht angebracht. Klar, der amerikanische Aktienmarkt besitzt legendäre Stärke. Doch ausgerechnet der Dow Jones zeigt das am wenigsten. Seit seiner Veröffentlichung vor 120 Jahren ist der Index jedes Jahr um durchschnittlich 5,24 Prozent gestiegen – vor Inflation. Real betrug der jährliche Zuwachs gerade einmal klägliche 2,29 Prozent. Das ist alles andere als berauschend. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn man die Dividendenzahlungen der im Dow Jones enthaltenen Aktien bei der Wertentwicklung berücksichtigt. So betrachtet hätte der Index die Marke von 20.000 Punkten bereits Mitte der 1960er Jahre erreicht und würde heute bei sagenhaften 2 Millionen Punkten stehen.

Als Performanceindex, bei dem die Dividenden aus dem Besitz der Aktien wieder in Aktien des Index reininvestiert werden, wäre der Dow Jones jährlich um rund 9 Prozent gestiegen, inflationsbereinigt um rund 6 Prozent.

Der Dow Jones Industrial Average wird nur auf Basis der Aktienkurse der im Index vertretenen Unternehmen ermittelt. Das Konzept des Performanceindex, bei dem auch die Dividendenzahlungen in die Berechnung mit einfließen, war bei der ersten Veröffentlichung im Jahr 1896 noch nicht bekannt. Ob der Dow Jones nun die 20.000 Punkte erreicht oder nicht, sollte Sie deshalb eigentlich kalt lassen. Dafür zeigt der Dow Jones als Performanceindex auf beeindruckende Weise, dass Aktieninvestments der wahre Weg zur Vermögensbildung sind. Leider ist dieser Teil der Geschichte unbeachtet geblieben.

Im trüben Wasser ist gut fischen

Als Portfoliomanager sollte man Schlagzeilen niemals zu viel Beachtung schenken, denn nichts ist unzuverlässiger als die Launenhaftigkeit der öffentlichen Meinung. Die Erfahrung hat gezeigt: Wer sich von politischen Ereignissen zu sehr beeinflussen lässt, wird von den langfristigen Zielen der Geldanlage abgelenkt. Das Jahr 2016 bot in dieser Hinsicht einige Versuchungen, denen wir jedoch erfolgreich widerstanden haben. Gleich zu Beginn legten heftige Kursverluste bei Technologiewerten in China die Nerven vieler Investoren blank. Später stellte sich dann heraus, dass es für den Einbruch keine fundamentalen Gründe gab. Schuld war vielmehr die Börsenaufsicht, der bei der Einführung neuer Transaktionsregeln Fehler unterlaufen waren. Generell erwies sich die Sorge um den Zustand der chinesischen Wirtschaft als unbegründet. Wer die Entwicklung genau analysierte konnte erkennen, dass das geringere Wachstum beabsichtigt war. Es wurde von der chinesischen Führung mit Bedacht in Kauf genommen, um die Wirtschaft des Landes auf die zukünftigen demographischen Herausforderungen vorzubereiten.

Die US-Börsen gingen im Januar und Februar auf Talfahrt, nachdem die Löhne und Gehälter überraschenderweise gestiegen waren. Die Situation weckte schlechte Erinnerungen an die Ereignisse der Jahre 2005 bis 2008. Damals endete der Versuch der US-Notenbank, die Lohninflation durch steigende Zinsen in Schach zu halten, mit dem Kollaps des Immobilienmarktes. Erst als weitere Daten zeigten, dass die Arbeitskosten nur sehr moderat gestiegen waren, schöpften die Aktienmärkte wieder genügend Vertrauen um den Aufwärtstrend fortzusetzen und etwa den Dow Jones zwischenzeitlich auf die neue Rekordmarke von 20.000 Punkten zu pushen.

Doch das Jahr 2016 hielt noch weitere Überraschungen bereit. Der Brexit erwischte viele Investoren auf dem falschen Fuß. Doch der befürchtete Supergau an den Aktienmärkten blieb bis heute aus. Im Gegenteil bot das unvorhergesehene Ereignis sehr gute Kaufgelegenheiten an den britischen Aktienmärkten. Wie die weitere Entwicklung verlaufen wird bleibt abzuwarten. Aber selbst bei einem „harten“ Brexit wird Großbritannien als Handelspartner erhalten bleiben. Und vielleicht hat es am Ende auch ein Gutes, wenn die EU auf diese Weise gezwungen wird sich neu zu positionieren. Ähnlich folgenlos wie der Brexit blieb übrigens das Referendum in Italien. Auch dort sahen manche schon das Ende für Europa gekommen, sollte die Volksabstimmung verloren gehen. Und auch dort erwiesen sich alle Befürchtungen als maßlos übertrieben.

Für einen regelrechten Paukenschlag sorgte im November dann der Ausgang der US-Wahlen. Auch hier ignorierten die Märkte die schlechten Prophezeihungen, die mit einem Regierungswechsel verbunden wurden und setzten stattdessen nach einem kurzen und flachen Abschwung zu einer Rallye an.

Das vergangene Jahr war äußerst turbulent und wenig spricht dafür, dass es 2017 ruhiger verläuft. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass sich unser langfristiger Investmentansatz auch weiterhin auszahlt, denn die Basis unserer Anlageentscheidungen bleibt unverändert: Wir fokussieren uns auch in Zukunft auf spezielle Marktparameter wie Zinsniveau, Zins-Spreads, Risikoprämien und Unternehmensgewinne. Dieses feste Setting hat sich in der Vergangenheit bewährt und schützt uns vor der Versuchung, kurzfristigen Hypes zu folgen. Das vergangene Jahr hat wieder einmal gezeigt, dass die Bedeutung bevorstehender politischer Ereignisse häufig dramatisch überschätzt wird. Und während viele Anleger ein mulmiges Gefühl beschleicht, wenn sie sich in das unruhige Fahrwasser an den Börsen begeben, wissen wir als professionelle Investoren: Im trüben Wasser ist gut fischen.

 

Über Prof. Dr. Stefan Duchateau

Prof. Duchateau blickt auf bereits über 25 Jahre Erfahrung im Portfolio-Management zurück. Neben seinen Professuren an der KU Leuven, HU Brussel und Uni Hasselt in den Bereichen Risiko-Management, Financial Engineering und Portfolio Management, entwickelte und konzipierte er den Kapitalsicherungsfonds (capital protected funds). Prof. Duchateau ist Anlageberater des Global Allocation UI und erstellt eigene makroökonomische Analysen, Asset Allocation Modelle, Risikomanagement-Tools und spezielle Auswahlverfahren für geeignete Anlageklassen.